Interview mit Dr. rer. nat. Christoph Klaas - „Tägliche Tücken“ im Berufsalltag eines Krankenhausapothekers

Kommissionierautomaten bieten vielfältige Vorteile – und das nicht nur öffentlichen, sondern auch Krankenhausapotheken. Wie diese genau aussehen und welchen Herausforderungen Krankenhausapotheker im Berufsalltag gegenüberstehen, erklärt Dr. Christoph Klaas, Leiter der Apotheke des Universitätsklinikums Münster. 

Was gehört zu Ihren täglichen Arbeitsroutinen?
„Als Leiter der Krankenhausapotheke bin ich meist für administrative Aufgaben und die Projektarbeit zuständig. Die weiteren Teammitglieder sind hingegen auf unterschiedliche Bereiche spezialisiert: Es gibt den „klassischen Apothekenbereich“, in dem Arzneimittel eingekauft, gelagert und ausgegeben werden. Darüber hinaus beschäftigen wir Apotheker, die sich um die Herstellung von onkologischen Therapien kümmern: Sie entwickeln gemeinsam mit Ärzten Therapieprotokolle, sind mit der Herstellung onkologischer Substanzen betraut und regeln die Organisation, Überwachung und Qualitätsverbesserung für die Therapieansätze. Unsere Stationsapotheker optimieren die Medikation der Patienten direkt auf den Stationen und helfen, Medikationsfehler zu verhindern. 

Wie ist die Medikamentenversorgung in einem Krankenhaus generell organisiert?
„Die Ärzte tätigen eine Anordnung, die dann - meist vom Pflegepersonal auf den Stationen - umgesetzt wird. Entweder sind diese Medikamente auf der Station vorrätig oder werden rechtzeitig nachbestellt. Arzneimittel für Patienten mit besonderen oder selteneren Bedürfnissen werden dann bei uns angefragt und wir liefern direkt oder bestellen beim Großhandel, der dann meist noch am gleichen Tag liefert. Es gibt auch Krankenhausapotheken, die eine „Unit-Dose-Versorgung“ implementiert haben, das heißt, sie geben die Tabletten, Fertigspritzen und Ampullen patientenbezogen aus. Das ist natürlich ein großer Aufwand – wir würden hier die tägliche Medikation für 1.500 Patienten bereitstellen; die Stationen könnten dadurch aber die Lagerhaltung reduzieren und hätten mehr Zeit für andere pflegerische Tätigkeiten zur Verfügung. Bisher gibt es in Deutschland nur sehr wenige Krankenhäuser, die diese Versorgungsform umgesetzt haben, aber ich bin sicher, dass sie in Zukunft noch weiter ausgebaut wird.“ 

Unterliegt eine Krankenhausapotheke speziellen Warenkontrollen?
„Unser pharmazeutisches Personal arbeitet nach strengen Vorgaben gemäß der Apothekenbetriebsordnung und dem Apothekengesetz. Wir kontrollieren sowohl unsere eigenen Arzneimittelherstellungen als auch Fertigarzneimittel und führen Buch darüber. Weiterhin kontrollieren wir die Lagerung der Arzneimittel auf den Stationen. 

Geraten Sie auch mal in Stresssituationen?
„Stresssituationen kommen auf, wenn es zu Lieferengpässen bei Arzneimitteln kommt, die für den Patienten wirklich lebensnotwendig sind. Das kam in letzter Zeit relativ häufig vor. Ich sehe den Grund dafür mitunter darin, dass die Arzneimittelpreise im Krankenhausbereich in Deutschland vergleichsweise niedrig sind. Antibiotika, Infusionslösungen oder Blutprodukte sind vielfach günstiger als in anderen Ländern. Aktuelle Lieferengpässe lassen sich auch auf Vorratskäufe aus Großbritannien zurückführen, die vor dem Brexit noch einmal ihre Lager füllen wollen. Solche Marktschwankungen führen schnell zu Engpässen und Liefereinschränkungen.“

Sie stellen Arzneimittel selbst her – im Krankenhaus werden noch spezifischere Medikamente benötigt als in einer öffentlichen Apotheke. Sicherlich sind da auch mal sehr seltene Substanzen dabei?
„Die „Bestseller“ sind natürlich Schmerzmittel, Antibiotika, Infusionslösungen und Betäubungsmittel. Wir führen auch Hausmedikamente der Patienten wie Blutdruckmittel, Schilddrüsenhormone, Lipidsenker – da haben wir die ganze Bandbreite auf Lager. Jede Fachrichtung hat auch noch spezielle Medikamente, die sie benötigt, beispielsweise Dialyselösungen oder intravenös verabreichte Medikamente auf Intensivstationen.“ 

Wie erleichtert Ihnen der Kommissionierautomat von Omnicell den Arbeitsalltag?
„Der Automat bietet drei große Vorteile für unsere Krankenhausapotheke. Zunächst kann er extrem platzsparend Medikamente lagern – unser vorheriges Regalsystem konnte weniger als die Hälfte fassen. Die Automatisierung erleichtert uns das Kommissionieren zudem sehr: Die zwei- bis dreitausend Arzneimittelpackungen, die täglich kommissioniert werden müssen, wickelt der Roboter vollautomatisch ab. Wir überprüfen, ob die Bestellung korrekt ist und, ob die Zuordnung der gepackten Kisten zu den Stationen fehlerfrei ist. Kommissionierfehler beobachten wir so gut wie nie. Außerdem erleichtert er unsere Lagerpflege: Wir erhalten beispielsweise eine Nachricht, wann Arzneimittel drohen zu verfallen. Die Inventur unserer 40.000 Artikel übernimmt der Roboter – früher mussten wir alle Packungen per Hand zählen- das war ein riesiger Aufwand.“ 

Sehen Sie Verbesserungs- bzw. Optimierungsbedarf, den Omnicell als Hersteller decken kann?
„Nicht wesentlich, aber wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit Omnicell und teilen Verbesserungsvorschläge auf direktem Weg mit. Es gibt ja immer wieder gesetzliche Neuerungen, die wir dann umsetzen und in unser Warenwirtschaftssystem integrieren. Das Schöne an diesem fortlaufenden Prozess ist: Omnicell entwickelt die Kommissionierautomaten immer weiter und wir tragen mit unseren Ideen und Erfahrungen sicherlich ein bisschen dazu bei.“

Wenn Sie es sich wünschen könnten, was sollte ein Kommissionierautomat in der Krankenhausapotheke noch können?
„Im Endeffekt macht er jetzt schon genau das, was er soll. In sehr seltenen Fällen bereitet das Einlagern Probleme beispielsweise durch Systemausfälle aufgrund von Packungen, die vom Greifer aufgespießt werden. Es wäre wünschenswert, wenn der Kommissionierautomat zuverlässig weiterarbeitet und es nicht zu einem Stillstand kommt.“ 

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