Medikationssicherheit im Krankenhaus: Warum die Digitalisierung jetzt zur Pflicht wird
Die deutsche Krankenhauslandschaft steht 2026 vor einer historischen Herausforderung: Während der demografische Wandel die Patientenzahlen treibt, kämpfen Kliniken mit Fachkräftemangel, Digitalisierungsrückstand und einer steigenden Komplexität der Arzneimitteltherapie. Mittendrin: das Risiko von Medikationsfehlern, das jährlich Tausende Patienten gefährdet und Milliardenkosten verursacht.
Deutschland im stationären Vergleich: Stark, aber unter Druck
2022 zählte Deutschland 1.893 Krankenhäuser mit knapp einer halben Million Betten. Über ein Drittel (40,0 %) sind öffentlich getragene Einrichtungen, jeweils etwas weniger als ein Drittel befinden sich in privater (28,5 %) oder freigemeinnütziger (31,6 %) Trägerschaft.
Die Zahl der vollstationären Fälle stieg von 17,4 Mio. (2009) auf 19,4 Mio. (2019), sank während der Corona-Pandemie auf 16,8 Mio. (2022). Im selben Zeitraum reduzierte sich die Zahl der Krankenhäuser von 2.084 auf 1.893 und die Zahl der Betten je 100.000 Einwohner von 615 auf 573.
Trotz dieser Schrumpfung bleibt der stationäre Sektor in Deutschland im OECD-Vergleich herausragend: Bei der Bettenanzahl pro Einwohner liegt Deutschland hinter Russland, Korea und Japan auf Platz 4 weltweit – mit mehr als dem Dreifachen an Betten im Vergleich zu Schweden.
Der Fachkräftemangel verschärft die Lage
Dem stationären Bedarf steht ein wachsender Pflegekräftemangel gegenüber. 84 % aller Krankenhäuser ab 100 Betten hatten 2021 Probleme, offene Pflegestellen auf Allgemein- und Intensivstationen zu besetzen. 14.400 Vollkraftstellen (6,3 %) blieben allein im Pflegedienst der Allgemeinstationen unbesetzt, 12 % der Vollkraftstellen auf Intensivstationen.
Durch die Bevölkerungsalterung wird sich diese Situation weiter verschärfen: weniger Erwerbstätige, mehr ältere, multimorbide Patienten – ein Cocktail, der die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals und damit das Risiko für Medikationsfehler erhöht.
Digitalisierung: Deutschland hinkt hinterher
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung von 2018 platzierte Deutschland im Digitalisierungsranking auf Platz 16 von 17 untersuchten Ländern. Eine aktuelle Hartmannbund-Umfrage (2024) bestätigt anhaltende Defizite: Ein Drittel der Klinikärzte ist mit der IT-Ausstattung unzufrieden, zwei Drittel halten die Digitalisierungsvorbereitung ihres Krankenhauses für unzureichend.
Konkret heißt das: In ca. 60 % der Krankenhäuser werden Arzneimittel noch auf Papier verordnet. Etwas mehr als die Hälfte hat einen digitalen Verordnungsprozess etabliert – aber die nachfolgenden Schritte sind meist nicht angeschlossen.
„Nur wenn wir die Chancen der Digitalisierung nutzen, können wir die Patientenversorgung besser machen." - Jens Spahn, ehemaliger Bundesgesundheitsminister, 2019
Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG): Impuls für Veränderung
Im Oktober 2020 trat das KHZG mit 4,3 Milliarden Euro Fördergeldern in Kraft. Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) war einer der Schwerpunkte. Förderfähig waren Vorhaben wie „die Einrichtung eines durchgehenden digitalen Medikationsmanagements zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit" – einschließlich robotikbasierter Stellsysteme.
Die Antragsperiode ist abgelaufen, für bereits genehmigte Projekte können Anschaffungen noch bis Ende 2024 beauftragt werden. Was bleibt: ein klares politisches Signal, dass die Modernisierung des Medikationsmanagements unausweichlich ist.
Ziel dieses White Papers
Dieses White Paper bietet eine umfassende Übersicht über:
- Vorkommen, Ursachen und Auswirkungen von Medikationsfehlern in deutschen Krankenhäusern
- Die beiden am weitesten verbreiteten automatisierten Lösungen: Unit-Dose-Systeme und Cabinets
- Praxisbeispiele aus deutschen Universitätskliniken
- Konkrete Empfehlungen zur Einführung und Nutzung


